Kinder auf Shoppingtour

Da ein kostenpflichtiges Upgrade in einer App, dort die neueste Spielzeugwaffe und zum Schluss noch ein neues Konsolenspiel. Für Kinder ist das Internet ein Schlaraffenland in dem sie mit wenigen Klicks und mit dem Account der Eltern beliebig auf Shoppingtour gehen können. Die Kürzung des Taschengeldes ist dann meist der kleinere Ärger. Bitter wird es, wenn den Eltern juristische Auseinandersetzungen drohen.

Vorsicht vor Onlinespielen
Das Problem: Viele Eltern wissen gar nicht, welchen Kaufreizen ihre Kinder ausgesetzt sind. Zum Beispiel bei Onlinespielen. Viele dieser Spiele werden zunächst kostenlos angeboten, doch dann kann es teuer werden, warnt Peter Schmitz vom Computerfachmagazin c’t: „Im Spielverlauf verlangen diese Spiele, dass reales Geld ausgegeben wird, damit es richtig Spaß macht und man möglichst schnell an begehrte Fähigkeiten kommt. Manchmal wird das Inkasso über Kanäle angeboten, die Kindern leicht offenstehen, zum Beispiel über den Anruf kostenpflichtiger Telefonnummern oder das Versenden von kostenpflichtigen SMS-Botschaften.“ Und spätestens dann wird es teuer. Daher sollten mit den Kindern klare Regeln und mögliche Konsequenzen wie der Entzug des beliebten Smartphones oder Tablets besprochen werden.

Sind Kaufverträge mit Kindern überhaupt wirksam?
Laut deutschen Gesetz sind Verbraucher erst ab 18 Jahren unbeschränkt geschäftsfähig. Doch auch schon vorher können Geschäfte getätigt werden, erklärt Experte Peter Schmitz: „Von 14 bis 17 ist man eingeschränkt geschäftsfähig. Das heißt, man braucht für Verträge, also auch für Käufe, normalerweise die Zustimmung der rechtlichen Vertreter – das sind meistens die Eltern. Eine Ausnahme sind allerdings sofort abzuwickelnde Geschäfte wie zum Beispiel ein Essen in der Pizzeria, das mit eigenem Geld von den Minderjährigen bezahlt wird, das von den Eltern auch für den betreffenden Zweck freigegeben wird. Kinder unter sieben Jahren sind überhaupt nicht geschäftsfähig und können gar keine wirksamen Verträge abschließen.“

Geschäftsbedingungen bieten keinen Schutz
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Online-Händler schließen den Einkauf durch Minderjährige aus. Doch für die Eltern ergibt sich daraus kein automatisches Rückabwicklungsrecht für einen Kauf, sagt Computerexperte Peter Schmitz: „AGBs schützen niemanden wirklich. Wenn also etwa bei eBay in den Bedingungen steht, dass eine Mitgliedschaft erst ab 18 möglich ist – was da drin steht – dann kann ein Jugendlicher bei der Anmeldung schlicht sein Geburtsdatum fälschen. Als Minderjähriger könnte man ja noch nicht mal irgendwelchen AGBs wirksam zustimmen, auch das ist ja ein Vertrag. Solange die Anbieter das Alter ihrer Kunden nicht wirksam kontrollieren, sind unbefugten Online-Einkäufen von Minderjährigen Tür und Tor geöffnet.“

So gehen Sie gegen ungewollte Käufe Ihrer Kinder vor
Wenn die lieben Kleinen einen Kauf getätigt haben, der mit den Eltern nicht abgestimmt war, müssen die Eltern also aktiv werden, erklärt Peter Schmitz: „Wenn ein Kaufvertrag nicht wirksam ist, hat man das Recht, ihn rückabwickeln zu lassen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Je nach Anbieter ist das mal einfacher mal schwerer. Man schickt einen Brief an den Anbieter, sinnvollerweise per Einschreiben, und erklärt darin, dass der Vertrag mit einem Minderjährigen geschlossen wurde und daher unwirksam ist. Und dass die Eltern auch nicht zugestimmt haben. Wenn bereits Geld abgebucht oder überwiesen wurde, kann man das zurückverlangen. Muss sich allerdings darauf gefasst machen, dass man sich möglicherweise auf einen Rechtsstreit einlassen muss, und dass der Anbieter sich nicht freiwillig darauf einlässt. Falls ein Minderjähriger böswillig jemanden geschädigt hat, so durch exzessives Erschleichen von Werten, kann es sein, dass er trotz unwirksamem Vertrag zahlen muss – und zwar der Minderjährige! Dann wird der Geschädigte möglicherweise eine Vollstreckung erwirken. Wenn es dann zu einem Rechtsstreit kommt, dann müssen die Eltern zwar nicht selbst finanziell für den Schaden geradestehen, wenn sie keine Sorgfaltspflichten verletzt haben. Es kann aber eben sein, dass dann eine Vollstreckung gegen den Minderjährigen passiert und die Eltern sind auf jeden Fall als Rechtsvertreter ihres Kindes in den Rechtsstreit involviert.“
Anders sieht die Situation aus, wenn die Kinder mit den Accountdaten der Eltern auf Shoppingtour gehen, warnt Experte Peter Schmitz: „Dann kann es im schlimmsten Fall tatsächlich sein, dass die Eltern zahlen müssen. Insbesondere dann, wenn die Account-Daten für das Kind allzu leicht zugänglich waren. Andererseits muss ein Account-Inhaber nach neuerer höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht unbedingt dafür geradestehen, wenn selbst ein naher Verwandter seinen Account nachweislich unberechtigt nutzt. Das ist eine Sache, die wird im Einzelfall entschieden geht aber selten ohne Ärger ab.“

Bild: Agentur Tillmanns, Quelle: c’t Hörfunkservice
 
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